Die Geburt

Bella Feelina 12/05/2020

Am 11.05.2020 hatte ich meinen vorerst letzten offiziellen Frauenarzt-Termin. Mir ging es noch wirklich gut. Ich merkte, das ich leichte Wehen hatte, aber das hat mich nicht wirklich tangiert. Meine Gynäkologin fragte mich dann, ob ich in Begleitung her gekommen wäre, so antwortete ich: „Ja, mein Mann sitzt unten im Auto und wartet auf mich. Warum?“ Meine Gyn daraufhin: „Haben sie auch ihre Kliniktasche mit?“ Ich: „Nein.“ Meine Gyn : “ Sie sollten aber direkt ins Krankenhaus fahren. Sie haben Wehen und ihr Muttermund ist schon bei 3cm.“ Damit war der Termin beendet bei ihr. Ich ging also runter zum Auto und sagte zu meinem Mann, dass die Gyn meinte, wir sollen ins Krankenhaus fahren. Aber nicht mit mir. Ich hatte ja noch meinen langersehnten Termin im Nagelstudio, denn meine Nägel sahen aus wie S****** . Also sind wir auf mein Kommando nach Hause gefahren. Ich hoffte einfach nur noch, dass die Wehen nicht stärker werden und ich endlich ins Nagelstudio flitzen kann. Kurz vor knapp, hat mich aber meine Tochter von dem Termin abgehalten. Meine Wehen wurden nun doch so schlimm, dass ich nur noch meinte: „Schatz wir müssen los. Hol das Auto!“. Eine Dreiviertel Stunde später, waren wir angekommen und meldeten uns zur Geburt an. 

Vier Zentimeter war der Muttermund schon offen. So spät, meinte die Hebamme zu mir, kommen die Frauen sonst nicht. Das stimmte meinen Mann und mich sehr positiv. Wir haben rum gewitzelt, wenn das so gut verlaufen würde bei uns, würden wir um kurz nach Mitternacht unsere kleine Bella Feelina in der Hand halten und morgens dann nach Hause fahren können. Naja, leider war das nur Wunschdenken. 

Es kam natürlich ganz anders. Der fünfte Zentimeter des Muttermunds ging noch auf, aber dann stagnierte es. Wir haben gebadet und sind umher gelaufen. Doch nichts davon funktionierte. Die Schmerzen wurden immer stärker, sodass ich ein Schmerzpeptid über die Vene bekommen habe. Leider habe ich das nicht vertragen und ich war benommen und auf einmal in einer ganz anderen Welt. Als ich Stunden später wieder zu mir kam und bereits der nächste Morgen heran brach, kam erneut die Hebamme zu uns. Doch leider immer noch keine Fortschritte. So sagte sie zu mir, weil ich immer noch starke Schmerzen hatte, dass sie entweder nochmal das Peptid geben oder eine PDA legen könnten. Keines von beiden wollte ich. Zum Schluss haben mich die Hebammen überredet und ich ließ mir eine PDA legen (Das war das beste, was mir passieren konnte. Ich fühlte mich wieder super und habe erstmal Mittag gegessen und aufgeatmet). Außerdem bekam ich noch ein Mittel über die Vene, das die Wehen beschleunigte. Nach ein paar Stunden kamen nun endlich gute Nachrichten, der Muttermund öffnete sich um weitere drei Zentimeter. Leider reichte das noch nicht für die letzte Phase der Geburt. Also musste ich weiter durchhalten. Und wie es kommen musste, öffnete sich die letzten drei Zentimeter nicht. 

So wurde beschloßen, die Geburt einzuleiten. Meine Fruchtblase wurde kurzer Hand geöffnet und die letzten Zentimeter haben sich geöffnet. Liebe Schwangere, es waren jetzt bereits schon gute 20 Stunden vergangen. Meine Kräfte ließen nach und auch die Wehen. Ich war so froh, dass mein Mann die ganze Zeit dabei sein durfte. Ohne ihn hätte ich das ganze nicht durchgestanden. Er gab mir zusammen mit der Hebamme so viel Kraft, dass ich weiter und weiter kämpfte. Aber leider stand es nun fest, Bella musste innerhalb von drei Stunden auf die Welt kommen (das ist so vorgeschrieben, wenn man eine PDA bekommen hat und die Geburt eingeleitet wird). Ich kam mir schon so blöd vor, alle Frauen maschierten im gefühlten 20 Minuten Takt rein und raus mit ihren Neugeborenen und ich lag Stunde für Stunde da und kein Ende war in Sicht. Ich war fix und fertig. Bella klemmte bei mir im Becken fest und für eine natürliche Geburt lag sie noch ein kleines Stückchen zu weit oben fest. Am Ende standen drei Ärzte um mich herum und berieten sich. Doch es führte kein Weg mehr dran vorbei. Drei Stunden waren rum und keiner wollte das Risiko einer natürlichen Geburt mit Hilfe einer Saugglocke in Kauf nehmen. Also blieb nach 30 Stunden Wehen nur noch der Kaiserschnitt übrig. 

Ich war so beruhigt, dass die Ärzte und die Hebamme so gut zusammen gearbeitet haben und sie wirklich großartige Arbeit geleistet haben und die ganze Zeit ruhig geblieben sind. Ohne diese Ruhe, wäre ich sonst verrückt geworden. 

Im OP-Raum angekommen hat es nicht mehr lange gedauert und alles ging los. Ich hörte plötzlich ein Schreien und wusste, dass alles nun endlich vorbei war und ich meine geliebte Bella in den Armen halten konnte. Da ich aber erst noch zugenäht werden musste, bekam mein Mann die Kleine zuerst und ich kam dann später dazu. Dieses Gefühl war so unbeschreiblich schön. Ich war zwar am Ende meiner Kräfte und fix und fertig, aber diesen Moment werde ich nie vergessen, meine kleine süße Maus das erste Mal auf mir liegen zu haben. 

Liebe Eltern, einen Fehler haben wir aber gemacht. Wir haben viel zu wenig Essen eingepackt und viel zu viel unnötiges Zeug. Leider weiß man nie, wie lang und intensiv so eine Geburt verläuft. Da ist das Motto „lieber haben als brauchen“ doch ganz treffend. 

Ich kann euch die Klinik, wo ich war nur sehr empfehlen. Die Ärzte und Hebammen sind große Klasse und wir würden immer wieder dort einkehren. Klinik: DRK Westend Klinik.